2022 Wasenbergs Land- und Forstwirtschaft hat Zukunft

2022 Wasenbergs Land- und Forstwirtschaft hat Zukunft

1. Historische Entwicklung der Landwirtschaft in Wasenberg

Der Archäologe Dr. Kneipp hat aufgrund von Funden nachgewiesen, dass Wasenberg schon seit etwa 7000 Jahren besiedelt ist.

Über den Vortrag gibt es bei den Museumsfreunden Wasenberg  ein 90 Minuten langes Video, die  PPP von Dr. Kneipp, Bilder der Originalfunde und eine Fotoserie der Fundstellen.  

Auf der Karte sind die Fundstellen um den Bach Leimbach schwarz gekennzeichnet

Vor 7000 Jahren bestand unsere Gegend aus dichten Eichen- und Buchenwäldern. Die Menschen die sich im heutigen Schatterode niederließen nennt man Bandkeramiker.

Diese Kultur  breitete sich im 6. Jahrtausend v. Chr. in Mitteleuropa aus, zu der Zeit der sogenannten „Neolithischen Revolution“, als der Mensch seine Lebensweise von Jagen und Sammeln auf Ackerbau umstellte. Benannt ist sie nach der Art, wie die Menschen ihre Gefäße verzierten.

Seit damals wird der fruchtbare Lößboden bewirtschaftet. Dr. Kneipp geht aufgrund von Funden aus späteren Zeitepochen davon aus, dass der Bereich Schatterode durchgehend bewohnt war und durchgehend Landwirtschaft betrieben wurde.

Dr. Kneipps Fundstücke stammen aus den Jahren 1980 bis 2002. Zu dieser Zeit wurde tiefer gepflügt wie je zuvor. Deshalb kamen Bestandteile von Waren, Waffen und Werkzeugen aus der Zeit von vor 7000 Jahren an die Erdoberfläche.

Wasenbergs Landwirtschaft vor 100 Jahren

Diese Bild aus dem Jahr 1920 zeigt einen Kornacker (Roggen). Zwei Kühe zogen ein „Mähwerk“. Der Rest war Handarbeit. Die Garben mussten aufgenommen und gebunden werden. Zum Trocknen und Abtransport wurden sie aufgestellt und anschließend verarbeitet.

Was heute der Mähdrescher erledigt war damals eine lange und schwere Arbeitsphase für viele Menschen und Tiere.

Doch in diesem Jahr, 2022, wirkt sich die Trockenheit durch den Klimawandel sichtbar auf unsere Ackerflächen aus. Wahrscheinlich erlebt unser guter Lößboden eine Trockenheit wie sie es vorher noch nie gab.

Der feine Staub des Mutterbodens ist  kleiner und feiner als Sand. Durch die extreme Trockenheit ist er so leicht, dass er sich verflüchtigt. Ein Landwirt sagte mir gestern, der ist so feinflüssig, eher wie Wasser, nicht wie Sand. Wie sich diese Trockenheit auf die Lebewesen im Boden auswirkt wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Vom Winde verweht. Verlust des wertvollen Ackerbodens beim Einbringen des Raps.

Wasenberg war bis in die 1960er Jahre ein fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägtes Dorf mit den dazu gehörigen handwerklichen Berufen.                                                                       

Landwirtschaftliche Nebenbetriebe wurden nach und nach ganz aufgegeben. Die Anzahl der Vollerwerbsbetriebe ging kontinuierlich zurück. Heute werden die landwirtschaftlichen Flächen von gewachsenen, leistungsstarken Betrieben bewirtschaftet, die sich neuen Betriebszweigen und Erntemethoden nicht verschließen.                                                                     

Diese Generation der Land- und Energiewirte ist auf dem besten Weg Wasenbergs Landwirtschaft auch in der Zukunft wegweisend zu gestalten.

Um dem drohenden Wassermangel zu begegnen werden die bestehenden Speichermöglichkeiten der ehemaligen Güllebehälter als Regenauffangbecken in Erwägung gezogen. Es bestehen beachtliche Kapazitäten die zumindest eine Bewässerung von sensiblen Flächen zulassen.                                                                                                              

Aktuell engagieren sich junge Leute für nebenberufliche Aktivitäten und vermarkten ihre Produkte in einem Hofladen und in unserem Edeka Markt. Hier beginnt der Weg zur regionalen, saisonalen landwirtschaftlichen Produktion mit Direktvermarktung.

2.  Historische Entwicklung der Forstwirtschaft in Wasenberg

Weitsichtige Vorstandsmitglieder unseres Interessentenwaldes haben dafür gesorgt dass unser Wald nachhaltig bewirtschaftet und zertifiziert ist.

Das schützt den Wald aber nicht vor den Einflüssen des Klimawandels. Der Wasenberger Wald hat eine Fläche von 465 ha. Davon waren 115 ha mit Fichten bewachsen. Seit 2019 sind 110 ha Fichten durch den Borkenkäferbefall und Trockenheit gefällt worden.

Um was für eine Menge es sich dabei um unseren kleinen Ort handelt kann man am Vergleich zum Waldverlust beim Bau der A49 erkennen.

Auf dem Bild vom 4. September 2022 kann man erkennen, dass der Wald weiter stirbt. Tote Baukronen sind, nach Förster Wohlleben,  das Signal, dass der Baum im Sterben liegt.

Auf diesem Bild erkennt man die Folgen des Sturm Kyrill aus dem Jahr 2007 und des Borkenkäferbefalls ab dem Jahr 2018.  

Rechts der Rest vom Fichtenwald,  davor die Rodung aus dem Jahr 2020. Links die freie, größtenteils unbewachsene Fläche ist noch aus dem Jahr 2007 nach dem Sturm Kyrill.

Im unteren Bild liegen im Vordergrund die Reste des Fichtenwalds. Die Rodung erfolgte  aufgrund des Borkenkäferbefalls im Jahr 2020. Auf der freien Fläche wächst Gras. Rechts im Hintergrund sieht man eine kleine Fläche die nach Kyrill mit Fichten wieder aufgeforstet wurde.

Zukünftig muss entschieden werden ob und wie der Wald überleben kann. Dass  Holz ernten und neu pflanzen nicht mehr wie bisher möglich ist, kann man an den Flächen wo Kyrill getobt hat, erkennen.

Der Wald ist kein Hausgarten. Er ist ein in über 10 000 Jahren gewachsenes System, dass erst durch die menschliche Bewirtschaftung verändert wurde.

Man muss sich entscheiden zwischen einem bewirtschafteten Wald der vordergründig den finanziellen Aspekt bevorzugt oder einem Wald der wenig oder nicht mehr bewirtschaftet wird aber ökologisch für das Klima und die Menschen besser ist.

Diese Entscheidung, in welcher Intensität sie auch immer fallen wird, muss von den politisch Verantwortlichen getroffen werden. Sie werden die Zukunft des Waldes bestimmen.

Heinz Heilemann

Wasenberg, den 06. September 2022

www.wasenberg.de

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